Chinesen vergasen Kohle in großem Stil

Rongxin Anlage (Innere Mongolei / China) mit Guido van den Berg MdL und Prof. Dr. Bernd Meyer
Rongxin Anlage in der Inneren Mongolei (China) mit Guido van den Berg MdL und dem Rektor der TU Freiberg Professor Dr. Bernd Meyer
Yitai Dalu Coal-to-Liquids Anlage, Innere Mongolei, China
Yitai Dalu Coal-to-Liquids Anlage in der Inneren Mongolei (China)
Inernational Freiberg Conference / Inner Mongolia 2015, China
Internationale Freiberg Conference / Inner Mongolia 2015 in Huhhot, China

Lesen Sie hier die Berichterstattung: "Chinesen vergasen Kohle in großem Stil" von Manfred Funken im Kölner-Stadt-Anzeiger bzw. in der Kölnischen Rundschau vom 19.06.2015:

"In China gehen Entwicklungen etwas schneller voran als in Europa. Davon konnte sich der SPD-Landtagsabgeordnete Guido van den Berg als einziger Politiker bei der 7. International Freiberg Conference in Huhhot in der Inneren Mongolei überzeugen. Eine Woche war van den Berg dort, um sich über Kohlevergasung zu informieren, die in China in Großanlagen betrieben wird, um Synthesegas zur Kunststoff- und Methanolherstellung zu produzieren.

"Zur Vorbereitung auf die Tour habe ich mir einen sechs Jahre alten Reiseführer ausgeliehen, der Huhhot als Stadt von der Größe Kölns ausweist. Schon bei der Landung sah ich so viele Hochhäuser, dass die Dimension nicht stimmen konnte. Aktuell hat die Stadt mehr als drei Millionen Einwohner. Das zeigt die Rasanz der Entwicklung in China", zeigt sich van den Berg Tage nach der Reise tief beeindruckt. Eine der besichtigten Anlagen, die Methanolanlage der Rongxin Chemical Industry, arbeitet mit den weltweit größten Kohlevergasern, die eine thermische Leistung von 1000 Megawatt erreichen.

Van den Berg ist Sprecher der Enquetekommission "Zukunft der chemischen Industrie in NRW" des Landtags, die sich mit der stofflichen Nutzung von Braunkohle beschäftigt und jetzt einen mehr als 430 Seiten starken Bericht dazu vorgelegt hat. Bei der Konferenz wurde die Wirtschaftlichkeit der neuen Kohlechemieanlagen diskutiert. In China gehe man davon aus, dass sich die Kohlevergasung bis zum einem Preis von 50 US-Dollar je Tonne rechnet, sagt van den Berg.

"Wenn sich das in China rechnet, muss die Technik auch im rheinischen Revier gewinnbringend nutzbar sein", sagt van den Berg. Zwar hüte RWE Power den Preis für eine Tonne Braunkohle wie ein Staatsgeheimnis, aber es sei klar, dass er deutlich unter 50 Euro je Tonne liege, auch wenn man Qualitätsunterschiede zur Steinkohle einkalkuliere. Allerdings hinkt die Entwicklung in Deutschland weit hinterher. "Um den Vorsprung aufzuholen, hat die Enquetekommission mehr als 50 Handlungsempfehlungen abgegeben", sagt van den Berg. Die beiden wichtigsten seien, mit staatlicher Unterstützung eine Pilotanlage zu installieren und einen Lehrstuhl für Kohlechemie in NRW zu etablieren. Unter bestimmten Voraussetzungen, so van den Berg nach vielen Gesprächen, könne bei einem zügigen Verfahren etwa 2022 ein großtechnischer Versuch gestartet werden. Zu den Voraussetzungen gehörten neben der Realisierung der genannten Handlungsempfehlungen die Zusammenarbeit der Braunkohleländer NRW und Sachsen, eine hoch qualifizierte wissenschaftliche Begleitung unter anderem durch die TU Bergakademie Freiberg und das Mitwirken von RWE Power. Während er bei den ersten Gesprächen mit RWE noch das Gefühl gehabt habe, das Thema sei im Unternehmen tot, habe er zuletzt den Eindruck gewonnen, "dass es im Ranking wieder hochgefahren wird".

Das rheinische Revier sieht van den Berg als idealen Standort für die Kohlevergasung zur Gewinnung von Chemierohstoffen, da es kurze Wege zu Produzenten wie etwa Shell, BASF und Basell gibt. "Im Zuge der Energiewende wird die Braunkohleverstromung Einbußen hinnehmen müssen, die Nutzung als Chemierohstoff eröffnet eine Perspektive für die Zukunft." Mit relativ geringem Einsatz von Braunkohle ließen sich schnell interessante Marktanteile erzielen.
Mit dem Rektor der TU Freiberg, Professor Bernd Meyer, hat van den Berg ausgehandelt, dass die internationale Konferenz der Hochschule 2016 in Köln stattfinden wird.

Nutzungsmöglichkeiten

Wenn man Braunkohle in Synthesegas umwandelt, ergeben sich verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Das Gas könnte grundsätzlich als Energiespeicher genutzt und bei Bedarf wieder verstromt werden. Unter dem Stichwort Power to Gas betreibt RWE Power auf diesem Gebiet bereits Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Auch die Herstellung von Methanol als Treibstoff ist möglich. Allerdings sieht die Enquetekommission des Landtags sowohl die Rückverstromung als auch die Verbrennung in Motoren wegen des hohen Produktionsaufwands als wenig sinnvoll an Die Herstellung von Wasser- und Kohlenstoff als Plattform für chemische Produkte wird jedoch als wirtschaftlich erfolgversprechend und ökologisch sinnvoll angesehen. Die Industrie könnte mit preiswertem Rohstoff versorgt werden, Ressourcen wie Erdöl könnten geschont werden.

Vor allem integrierte Chemie / Energie-Standorte böten Synergieeffekte durch gemeinsam nutzbare Infrastruktur."